1. Fastensonntag - 09.03.2025
Predigt am 1. Fastensonntag im Lesejahr C 2025 – 03 – 09
Meine Predigt bedenkt heute ein einziges Wort – VERSUCHUNG! Dazu ein paar Impulse:
1.
Der erste Impuls stammt von Papst Franziskus: Er hat zu diesem Wort vor ein paar Jahren (Dez. 2017) ja eine heftige Diskussion ausgelöst. Es ging dabei um die Bitte im Vater Unser: „und führe uns nicht in Versuchung“. Seine Botschaft war ganz klar: Mit einem solchen Gottesbild kann und will sich Papst Franziskus nicht anfreunden. Viele Bibelstellen lehnen es ausdrücklich ab, dass Gott den Menschen in Versuchung führt. Da wird unser Papst ganz klar und streng mit seinen Worten: Gott führt nicht in Versuchung… Er stellt uns keine Fallen… Gott legt seinen Kindern keinen Hinterhalt…da humpeln alle modernen Übersetzungen ein bisschen – so Papst Franziskus wörtlich. Er verweist dann gerne auf den Stil, wie Gott uns führt und begleitet – Gott führt, begleitet, beschützt und behütet wie ein Hirte – wie der gute Hirte der alles für die Seinen tut und gibt. Deswegen lautet sein Vorschlag für die Vater-Unser-Bitte zum Thema Versuchung: Verlass uns nicht in der Versuchung! Bzw.: Lass nicht zu, dass wir in Versuchung geraten! Oder wie es von anderen inzwischen auch gerne vorgeschlagen und in manchen Kirchen gebetet wird: Führe uns in der Versuchung! Für mich durchaus eine bedenkenswerte Übersetzung: Führe uns in der Versuchung!
2.
Ein zweiter Impuls zum Thema Versuchung stammt von den Wüstenväter der frühen Kirche und von den Kirchenlehrern: Für sie sind Versuchungen ganz normal. Kein Tag vergeht ohne Versuchungen. Sie verstehen Versuchung oft im Sinn von SUCHEN. Suchen aber ist für sie ihr ganzer Lebensinhalt und Sinn. Dazu wird man Mönch: um zu suchen, um auf der Suche zu bleiben, um einzig und allein Gott zu suchen – so der Mönchsvater Benedikt. Versuchungen sind einfach eine Realität des Lebens! Sie können eine ganz brutale Realität werden, wenn wir bloß an die schrecklichen Versuchungen des hl. Antonius in der Wüste von Ägypten denken...
Immer wieder sprechen die geistlichen Meister davon, dass Versuchungen Teil des Lebens sind, Teil auch des geistlichen Lebens: „Was weiß der schon vom Leben, der nicht versucht worden ist!“
Versuchungen sind unvermeidbar. Sie sind eine tägliche Herausforderung, eine Chance, sich zu bewähren, sich zu entscheiden. Versuchungen machen demütig. Sie lassen den Menschen und die geistlichen Meister erkennen: Nobody is perfect! Versuchungen sind eine Hilfe, damit wir nicht überheblich werden: „Niemand kann unversucht in das Himmelreich kommen!“
3.
Die Versuchungen Jesu in der Wüste werden von allen drei Synoptikern berichtet. Lukas berichtet, dass Jesus erfüllt vom Heiligen Geist vom Jordan zurückkommt. Der Geist ist es, der Jesus antreibt und in der Wüste umherführt. Markus betont das am stärksten: dass Jesus ein Getriebener ist, dass er vom Geist getrieben in die Wüste geht! Dort aber begegnet er dem Ungeist, dem Teufel, dem Diabolos, der alles durcheinanderbringt, der alles hinterfragt, der Jesus auf seine Berufung hin regelrecht abklopft. Er macht es stilgerecht. Der Teufel macht es teuflisch gut. Er knüpft geschickt und gleich zweimal an das Wort von der Taufe an: Du bist mein geliebter Sohn! „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden… Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es steht doch geschrieben: Seinen Engeln befiehlt er deinetwegen, dich zu behüten…Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt…“ Das ist schon schräg, wie bibelfest und fromm der Versucher und Versuchungen sein können…
4.
Ich hab schon erwähnt, dass für mich im Wort Versuchung ganz entscheidend das Wort SUCHEN steckt. Ich wiederhole dazu das dem hl. Augustinus zugeschriebene Wort: „Was weiß der schon vom Leben, der nicht versucht worden ist!“ Aber im Begriff Versuchung steckt eben auch das Wort SUCHT: Gerade das heutige Evangelium spricht Dinge an, die zur Sucht werden können: Brot steht fürs alles Materielle, für Dinge, die nach uns greifen, so dass wir von ihnen besessen sind. Macht und Ruhm – wir sprechen nicht zufällig von Machtrausch und ruhmsüchtig. Auf die Probe stellen statt vertrauen und sich anvertrauen – wie oft kränkt das Menschen, macht sie krank und lässt sie regelrecht dahinsiechen. Das alte Wort SIECHEN hängt nicht von ungefähr mit dem Wort Sucht zusammen.
Das Schluss-Wort übergebe ich Anton Schönhart, einem Kärntner Diakon und Religionspädagogen. In seinem „Wort zum Sonntag“ sagt er in der Kärntner Kirchenzeitung: „Sucht und Süchte sind vorschnelle Nicht-Lösungen und Nicht-Antworten, die in den Wüsten des Lebens Sackgassen sind… Nicht vom Brot allein…lebt der Mensch. Vertrauen…und Anvertrauen sind die Lebensgrundlage Jesu. Lassen wir uns auf das Lebensangebot Jesu ein, machen wir uns fest (engl. fasten) im Vertrauen, dass er uns führt.“
Amen.
Pfarrer Edi Muhrer