2. Fastensonntag 16.03.2025 - Familienfasttag_Suppensonntag

Predigt am 2. Fastensonntag („Suppen-Sonntag“ der kfb/Start der Fastenwürfel-Aktion des Pfarrkindergartens) 2025 – 03 – 16
1.
Eine erste Antwort haben wir gerade im Evangelium gehört: Jesus betet. Er geht dazu auf einen Berg. Drei Jünger nimmt er mit auf den Berg – Petrus, Johannes und Jakobus. Während Jesus betet geschieht etwas mit ihm, etwas Wunderbares ereignet sich: sein Aussehen verändert sich, sein Gewand wird strahlend weiß. Er begegnet Mose und Elija. Eine Stimme ist von oben aus der Wolke zu hören: „Dieser ist mein auserwählter Sohn – auf ihn sollt ihr hören!“
Wer betet kann seine Wunder erleben. Beten verändert Menschen. Beten macht neue Menschen aus uns. Und beten verbindet: Es verbindet uns untereinander und mit denen, die schon gestorben sind. Denken wir an Jesus, Mose und Elija. Beten verbindet v. a. aber mit Gott. Wer betet, wird hellhörig für Gott, für sein Wort, für seinen Ruf: Du bist mein geliebtes Kind, meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn!
Beten gibt Kraft. Es gibt uns Wurzeln und Halt. Beten verbindet uns mit der Erde und auch mit denen, die schon unter der Erde sind. Beten ist leicht. Es macht uns leicht und beflügelt uns. Wer betet ist nie allein! Denken wir nur an das kleine Kreuzzeichen: „Ich denke an dich. Ich erzähle von dir. Ich spüre du bist bei mir!“ So leicht ist beten. Beten verleiht Flügel – genauso gibt es uns einen Halt im Leben. Beten zeigt uns wer wir sind – von Gott gewollt, von ihm geliebt, von ihm mit Namen gerufen!
2.
Vor dem Evangelium haben wir in der Lesung von Abram gehört und vom Sternen-Himmel in der Nacht: Der Blick hinauf zu den Sternen, der wunderbare Abendhimmel ist auch etwas, was Menschen zum Staunen bringt, was ihnen Kraft gibt und Dankbarkeit. So zahlreich wie die Sterne am Himmel, so zahlreich werden die Kinder Abrams sein. Gott hat Abram gesegnet, seine Familie, sein Volk. So ist aus Abram dann Abraham geworden – der Vater von Vielen. Gott ruft, führt und begleitet. Er hat Abram und seine Familie aus ihrer Heimat weggerufen. Er hat sie ins Gelobte Land geführt. Gott hat das Volk Israel aus Ägypten befreit. Er hat aus Sklaven Freie gemacht. Gott hat dem Exil und der Gefangenschaft in Babel ein Ende bereitet...
Der Glaube an Gott befreit und beflügelt. Glauben gibt aber auch Wurzeln und ein Zuhause. Wir sehen es an Abram. Er hat Gott vertraut. Der Blick auf den Sternen-Himmel hat ihn bestärkt zu gehen, ein Gehender zu bleiben auch noch im hohen Alter. So hat Abram ein neues Zuhause gefunden im Gelobten Land.
3.
Am heutigen zweiten Fastensonntag begehen wir den traditionellen Familien-Fasttag und den Suppen-Sonntag der kfb. Familie und fasten -auch diese beiden geben uns Kraft, geben uns Wurzeln und Flügel!
Ich danke den Frauen unserer kfb ganz herzlich für ihr Engagement. Und ich danke unserem Pfarrkindergartenteam und den Kindern, dass ihr fastet und teilt! Dass ihr mitmacht beim Fasten und Teilen – mit einem eigenen großen Fastenwürfel.
Groß und klein – ihr alle helft mit, dass es Familien in Kolumbien besser geht. Dass dort Dinge unterstützt werden, die das Klima schützen und die Menschenrechte: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ (Erich Kästner).
Fasten verbindet uns auch mit vielen anderen Religionen und Kulturen – ganz besonders mit dem Islam: Dort findet gerade der Fastenmonat Ramadan statt. Fasten gehört im Islam zu den fünf wichtigsten Dingen… Und ganz genau so wie bei uns Christen ist da das Fasten mit dem Almosen geben verbunden. Es ist ein soziales Fasten, ein Fasten für etwas und für jemanden. Das Wort fasten bedeutet: sich binden, sich festmachen. Im Flugzeug ist gestanden: Fasten seatbellsAls Christen machen wir uns an Christus fest.
Das letzte Wort der Predigt soll M. Ghandi haben. Er hat mit seinem Fasten die Freiheit und Unabhängigkeit für Indien erkämpft. Er sagt: „Die Fastenzeiten sind ein Teil meines Wesens. Ich kann auf sie ebenso wenig verzichten wie auf meine Augen. Was die Augen für die äußere Welt sind, das ist das Fasten für die innere!“
Fasten öffnet uns die Augen für das, was wichtig ist. Teilen macht uns umsichtiger, hellhöriger und fröhlicher – das ist einfach so! Amen.
Pfarrer Edi Muhrer