3. Fastensonntag - 23.03.2025 - Zur Quelle gehen

3. Fastensonntag 2025 im Lesjahr C: Zur Quelle gehen!
In der Kunst gibt es das Prinzip der Reduktion: große Künstler haben es immer wieder geschafft mit ganz wenigen Strichen Großartiges zu schaffen. Das Dick-Auftragen bringt’s nicht – in der Kunst nicht, im Leben nicht, erst recht nicht im Glauben! Ich denke da nur z. B. an den Künstler Karl Brandl, der wohl einen der schönsten Altäre der Gegenwart für die Grazer Leechkirche geschaffen hat: Er hat einen Felsbrocken in Skandinavien gesehen und sich sofort gedacht: Da ist ein Altar drin. Ich muss nur noch Einiges entfernen…
Der Volksmund sagt: „Weniger ist oft mehr!“ Genau dieses Prinzip verfolgt die Fastenzeit: Weniger ist mehr! Durch das Weglassen von vielem Ach-so-Wichtigen können wir uns auf das wirklich Notwendige konzentrieren. Da ist so viel möglich – vom Weglassen der Süßigkeiten und den Verzicht auf Alkohol über das bewusste Wählen der Fortbewegungsmittel bis hin zur Reduktion des Handy-Konsums. Das Prinzip der Reduktion hilft uns zur Mitte zu finden, zu dem was wirklich wichtig und wesentlich ist. Die Mitte und das Wesentliche des christlichen Glaubens sind eine Person – das ist ER, Jesus, der Christus! Er ist der Wesentliche und der Maßgebliche! Auf ihn sollen wir uns konzentrieren in der Fasten- und Umkehrzeit.
Auch bei den Gottesdiensten in der österlichen Bußzeit herrscht das Prinzip der Reduktion: Die sog. Votiv-Messen dürfen jetzt kaum einmal gefeiert werden. Die Heiligenverehrung ist stark reduziert. Ganz klassische Mess-Gesänge wie das Gloria und das Halleluja entfallen. Es gibt weniger Brauchtum in der Fastenzeit und Hochzeiten zu feiern ist eigentlich verpönt. Ähnlich ist es mit dem Tanz und den Bällen. Den Gläubigen wird der Kreuzweg empfohlen - das geistliche Mitgehen mit Jesu hinauf nach Jerusalem und durch die Via Dolorosa hinauf nach Golgotha, hinaus vor die Tore der Stadt. Wir schauen auf den leidenden Gottesknecht. Wir schauen auf den, der für uns das schwere Kreuz getragen hat. Wir schauen auf den Durchbohrten. ER ist das Alpha und das Omega und auch die Mitte. Christus ist die Quelle. Mit Paulus in der heutigen Lesung gesprochen ist Christus „der geistgeschenkte Felsen“: Auf ihn hat Mose geschlagen und sofort ist Wasser aus dem Felsen gekommen. Das Gottesvolk konnte in der Wüste überleben und musste nicht verdursten. Christus, die Quelle, Christus, das lebendige Wasser!
Die Fastenzeit ist eine Einladung, diese Quelle zu suchen, die Quelle zu suchen, die Jesus Christus heißt. Dazu drei kleine Anregungen:
1.
Um aus der Quelle trinken zu können musst du dich niederknien!
Dazu habe ich eine persönliche Erinnerung aus meiner Kindheit: Wir haben damals auf einer Wiese oft stundenlang Fußball gespielt. Diese Wiese war unser Alpenstadion. Gleich daneben am Wiesenrand ist eine kleine, frische Quelle entsprungen. Wir haben es genossen, in den Pausen direkt aus dieser Quelle trinken zu können. Um aber aus dieser Quelle trinken zu können mussten wir uns niederknien - ja eigentlich mussten wir uns flach auf dem Boden hinlegen. Dann konnten wir trinken und uns erfrischen – direkt aus der Quelle. Zur Quelle gehen, aus der Quelle trinken – das ist für mich seit meiner Kindheit untrennbar mit Niederknien verbunden, sich auf den Boden legen! So wie das dann auch bei meiner Weihe üblich ist. So wie es übrigens auch notwendig ist, wenn du in Bethlehem in die Geburtsgrotte kommen willst. Nur tiefgebeugt oder kniend kannst du dorthin kommen. Unsere Quelle, Jesus, der Christus, ist einfach zum Niederknien.
2.
Meine zweite Anregung lautet: Willst du zur Quelle kommen, musst du gegen den Strom schwimmen. Wer zur Quelle will muss bachaufwärts gehen!
Wer zur Quelle kommen will muss bereit sein einen oft unbequemen Weg zu gehen – flussaufwärts, bachaufwärts geht’s zur Quelle! Um zu Jesus Christus zu kommen musst du bereit sein gegen den Strom zu schwimmen. Bischof Egon Kapellari hat es so ausgedrückt: „Das Kreuz ist nicht stromlinienförmig!“ Du brauchst Mut zum aufrechten Gang. Du brauchst die Bereitschaft zu gehen und für deinen Glauben einzustehen. Aber unsere Quelle, Jesus Christus, ist jede Mühe wert.
3.
Meine dritte Anregung ist die Geschichte vom alten Dorfbrunnen: Ein Mann besucht nach Jahrzehnten das Dorf seiner Kindheit. Heute lebt niemand mehr in diesem trockenen Karstgebiet. Alle sind weggezogen. Kein Leben mehr am Ort seiner Kindheit. Da erinnert er sich an den Dorfbrunnen: Der hat immer Wasser gehabt. Er war der Mittelpunkt und der Treffpunkt für alle im Dorf. Doch leider: Auch der Brunnen ist tot, er hat kein Wasser…
Ein befreundeter Physiker hat es ihm später erklärt: Jeder Brunnen wird von vielen kleinen Quellen gespeist. Diese Quellen sind wie Äderchen. Sie müssen genutzt werden sonst verstopfen sie sich. Ein Brunnen, der nicht genützt wird, versiegt. Er trocknet aus. Die Botschaft des Brunnens lautet: Nütze deine Brunnen und Quellen sonst versiegen sie! So ein Brunnen, so eine Quelle können Stille, Gebet und Gottesdienst sein. Das Lesen in der Heiligen Schrift oder im Buch der Schöpfung. Das Auswendiglernen eines Psalms. Die Osterbeichte. Das Reden und der Austausch über den Glauben wie das z. B. bei unseren Feldkirchner Glaubensgesprächen so stimmig geschieht.
Quellen und Brunnen müssen genützt werden, sonst versiegen sie…
Wer zur Quelle kommen will muss gegen den Strom schwimmen…
Um aus der Quelle trinken zu können musst du dich niederknien…
Amen.
Pfarrer Edi Muhrer